Samstag, 30. November 2024

Reise um die Erde in 80 Tagen - Jules Verne

Der Londoner Kavalier Phileas Fogg wettet am zweiten Oktober 1872 gegen ein paar andere Mitglieder des Reform-Klubs innerhalb von 80 Tagen, also bis zum 21. Dezember, einem Samstag, um 20:45 Uhr wieder in London zu sein. Noch am selben Abend, jenem zweiten Oktober, fährt er mit dem Zug nach Dover. Die einzige Unterstützung, die er dabei hat, kommt von seinem Diener Passepartout, den er just erst an diesem Tag frisch eingestellt hat. Alles weitere an Material und Fahrttickets wird von Phileas Vermögen unterwegs spontan eingekauft. So beginnt eines der berühmtesten Bücher überhaupt. Jedes Kind kennt den Namen, weil es dutzende Filme und andere Anspielungen in der Popkultur gibt. Aber wie gut ist eigentlich das Original? Bislang kannte ich von Jules Verne nur einen meiner absoluten Lieblings-Romane "20.000 Meilen unter dem Meer" mit dem Enigma namens Kapitän Nemo, der an Bord der Nautilus Orgel spielt oder seinen Gefangenen, Professor Arronax und Harpunier Ned Land zwischen Bibliothek, Fenster zum Ozean oder Tauchgängen seine Lebensphilosophie näher bringt. Und dann kenne ich noch "Reise zum Mittelpunkt der Erde" von diversen Verfilmungen her. Meine erste Befürchtung, dass ich mich im Jahr 2024 mit Prosa-Stil von 1872 schwer tun würde, war zum Glück unbegründet. Jules Verne Text ist vom Tonfall her wissenschaftlich-sachlich angehaucht und verwendet gerne entschlackte Sätze, die pragmatisch und dicht geradeaus formuliert sind. Hinzu kommt, dass Verne zumindest in diesem Roman die Handlung mit hoher Beschleunigung voran peitscht. Gefühlt sind die Charaktere alle zwei Kapitel in einem anderen Staat oder sogar Kontinent unterwegs. Auf der einen Seite ist dieser Tapetenwechsel faszinierend, da man andauernd mit neuen Zahlen, Daten und Fakten bombardiert wird. Auf der anderen Seite gibt es kaum einmal Raum zum Durchatmen und Innehalten. Eigentlich fallen mir nur zwei Beispiele ein. Zum einen Passepartouts kleines Abenteuer als Langnasen-Akrobat in Yokohama und die Durchquerung des indischen Dschungels auf einem Elefanten. Hier kommt am ehesten das auf, was man als moderner Leser von einem Roman erwartet: Charaktere, die vor Hürden gestellt werden und im Team arbeiten müssen, wenn sie voran kommen wollen. Und zwischendurch gibt es Widersacher, wie den Detektiv Fix, der der Truppe hinterher reist, weil er den aus seiner Sicht glasklaren Bankräuber Fogg fassen möchte. Soweit ist das alles ganz nett und ich hatte meinen Spaß mit dieser Geschichte. Vor allem auch wegen der fabelhaft illustrierten Ausgabe, die ich lesen durfte. Getrübt wurde das Ganze jedoch durch gleich zwei schwere Probleme, die der Roman meiner Meinung nach hat. Das erste und offensichtliche Problem ist das hohe Tempo. Gefühlt gibt es alle zwei, drei Kapitel immer ein Pseudo-Kapitel, in dem nur Lexikon-Artikel mäßig Faktenwissen  herausposaunt wird. Man erkennt diese Abschnitte, weil dort Charaktere und Handlung kaum noch stattfinden. Beispielsweise befinden sich Phileas Fogg und Passepartout häufig auf Dampfern oder in Zügen und verhalten sich enorm passiv, weil die Handlung meist zwischen Ankunft und Abfahrt zweier Transportmittel spielt und erst dann lebhaft wird, wenn ein Anschluss verpasst wird und Phileas Fogg all sein Geld auf Mensch X oder Sache Y wirft und damit jeweils ein Deux Ex Machina erzeugt, damit die Handlung weiter gehen kann. Jules Verne zählt sogar recht gerne auf, was Fogg alles nicht sieht und womit er nicht interagiert, weil dafür die Zeit fehlt. Nicht nur ein Mal fragte ich mich: Warum dann überhaupt eine Geschichte erzählen? Das zweite Problem ist die Charakter-Entwicklung. Während die beiden Nebencharaktere Passepartout und Detektiv Fix mit all ihren Sorgen und Nöten gut und solide dargestellt sind, bleibt ausgerechnet der vermeintliche Protagonist Phileas Fogg ein langweiliger Schatten jenseits aller Möglichkeiten. Immer ist er ruhig und kühl, zeigt niemals Emotionen, hat immer ein Pokerface, und wenn es Probleme gibt, hilft ihm sein Geld oder der Zufall. Ansonsten spielt er Whist oder isst luxuriöse Mahlzeiten. Das war es. Und die in Indien gerettete, natürlich bildhübsche Frau Auda, hat als weiblicher Charakter des 19. Jhds. keine eigene Agenda. Sie reist als schönes Objekt einfach nur mit und dient am Ende als Heiratsmaterial. Natürlich ohne nachvollziehbare Liebes-Entwicklung zwischen ihr und dem männlichen Protagonisten. Allerdings ist das ein typisches Problem sehr alter Romane und nicht Jules Verne exklusiv. Trotzdem macht es die Situation nicht besser. Am Ende des Tages geht es um die Wette an sich und weniger um die Charaktere. Kann man mögen, ich jedoch habe damit gefremdelt. Dass ich dem Roman trotzdem noch eine vergleichsweise gute Wertung gebe, liegt daran, dass die vielen Ortswechsel, das Faktenwissen und das Tempo für gutes Fast Food sorgen. Eisenbahn, Dampfschiffe, Dschungel mit Elefanten, kleines Segelschiff vor China, Eisenbahn mit Indianer-Überfall in Amerika. Es ist schon abenteuerlich wild, was in so kurzer Zeit alles geschieht. Kein Wunder, dass der Stoff so gern für Film und Fernsehen umgesetzt wird und ein weltbekannter Klassiker ist. Leider merkt man der Vorlage spürbar an, dass sie im Lauf der Zeit stark gealtert ist. Wusstet ihr schon, es gibt jetzt Eisenbahn! Ja, richtig gelesen, und nun unterbrechen wir diesen Text mit Inhalt, um alle Bahnstationen mit Zahlen, Daten und Fakten aufzuzählen. Sowas wie Dialoge und Plot kommen dann erst wieder im nächsten Kapitel. Und sowas Modernes wie innere Monologe eines Herrn Fogg und wie es ihm gefühlsmäßig geht, gibt es nicht. Ein Mann ist und bleibt ein Taschenrechner. Mein Lieblings-Abschnitt ist der USA-Teil, weil er so wild ist wie ein Pen and Paper Abend. Eben sitzt noch ein Mormonen-Priester im Abteil und erzählt religiöse Historie, dann gibt es fast ein Shootout zwischen zwei Egos, als nächstes geschieht ein Indianer-Überfall und Passepartout hangelt sich bei vollem Tempo unterhalb der Waggons zur Lok vor. Man merkt, wo James Bond und co ihre Inspiration her haben. Insgesamt kann ich dem Roman maximal 3/5 Sternen geben.

Donnerstag, 28. November 2024

Meine Stärken und Schwächen beim Zeichnenlernen

Als ich im Januar 2024 nach Ewigkeiten mal wieder einen Bleistift in der Hand hielt, fiel es mir schwer, damit etwas anzufangen. Man ist das Tippen einer Tastatur gewohnt und manchmal nutzt man Füller, Kugelschreiber oder andere Stifte, um sich Notizen zu machen. Beim Bewegungsablauf jedoch hält man den Stift ziemlich weit vorne und macht kleine Bewegungen, um Buchstaben zu formen. Wenn man jedoch klassisch Zeichnen lernt, muss man den Stift in der Mitte oder beim Schraffieren vielleicht sogar noch weiter hinten anfassen. Und dann geht es um lange Linien, um S-Formen, Kurven, Ellipsen und immer wieder Kreise. Wer wie ich vorher noch nie klassisches Training hatte, muss erstmal einen komplett neuen Bewegungsablauf ins muscle memory bekommen. Sehr dabei geholfen hat mir ein mechanical pencil, weil der so leicht ist, und sich wie ein ganz neues, unbekanntes Werkzeug anfühlte. Zumindest in den ersten Monaten. Momentan ist diese fehlende Praxis meine größte Schwäche. Es werden noch tausende Stunden vergehen, ehe Qualität und Strichstärke meiner Linien wirklich flüssig und geschmeidig aufs Blatt kommen. Parallel übe ich auch genau diese Bewegungen mit der Maus am Computer zu zeichnen. Da Linien und Strichstärke nun einmal die Basis von allem sind, sehe ich hier noch mein größtes Potenzial für Verbesserung. Ebenfalls Probleme bereiten mir Proportionen und Perspektive im Raum. Hier geht es aber eher um Mathematik und auswendig lernen und weniger um die Feinmotorik meiner Hand. Das sollte sich durch Wiederholung irgendwann einprägen. Vermutlich muss ich mir auch extra Bücher zum Thema Perspektive kaufen. In Krita kann man perspektivische Gitter einstellen, aber analog muss ich das alles per Hand manuell eintragen, was lästig, aber notwendig erscheint. In 11 Monaten habe ich auch zwei große Stärken entdeckt. Erstens wäre da mein Durchhaltevermögen. Wenngleich alles am Anfang doof aussieht, mache ich weiter brav Übungen und Skizzen. Aber die erfreulichste Entdeckung des Jahres ist, dass ich viel besser beobachten und abzeichnen/ nachzeichnen kann, als bislang gedacht. Es hilft ungemein, wenn ich coole Charaktere aus Anime und Manga abzeichne. Und mir ist aufgefallen, dass ich ein Auge für Licht und Schatten und Stimmmung habe. Mein nächster Schritt wird nun sein, Charakter-Posen in räumlicher Perspektive zu zeichnen.

Samstag, 9. November 2024

Status Update – Zeichnen lernen 2024

Hallo, long time no see!

Ich möchte nicht lange auf meine eigene Gesundheit oder die politische Weltlage eingehen. Lasst mich stattdessen auf ein schönes Thema kommen: Mein Zeichnen lernen Projekt 2024. Eigentlich wollte ich ja bis hierhin diverse Romane gelesen und weiter an meinen Manuskripten geschrieben haben - doch, irgendwie war der Wurm drin. Glücklicherweise habe ich im Laufe des Jahres mechanical pencil, Radiergummi, Buntstifte und nun auch ein sketching set mit ganz hohen B-Werten und sogar Kohlestifte erhalten. Gleichzeitig liefen in letzter Zeit einige erfreulich gute Pen and Paper Kampagnen wie zum Beispiel "Die vergessenen Lande" auf dem youtube Kanal 'BehaartMitBart'. Das hat mich so inspiriert und an ganz klassische Fantasy erinnert, dass ich nun umso eifriger Zeichnen übe, um irgendwann FanArts erstellen zu können. Ich übe gleichzeitig analog (für Hand-Auge-Koordination) als auch mit der Software Krita.

An und für sich würde ich gerne so viel mehr schreiben - zum Beispiel ein paar Zeilen, wie ich mein 'Fasans fabelhaft fabulierter Spooktober' do it yourself Horror-Kurzgeschichten mit Würfeln-Vorlagen erstellen - System hier dauerhaft das ganze Jahr online halten kann. Doch alles zu seiner Zeit. Mir hat es enorm geholfen, mich nicht mehr an langen Foren-Diskussionen zu beteiligen. Aktuell meide ich auch so gut es geht die Nachrichten, weil mich das alles nur noch wahnsinnig macht. Zum Abschluss dieses kleinen, aber feinen Lebenszeichens noch folgende Info mit auf den Weg: Früchtetee aus der Thermoskanne und dazu Shortbread Rings/ Goldringe sind eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualität.




Die Legende vom Tränenvogel - Band 1 - Lee Young-Do

Das ist der erste südkoreanische Fantasy-Roman, den ich lese, aber er erinnert mich an einen 1980er Jahre Actionfilm mit Charles Bronson in ...