Donnerstag, 23. Mai 2024

Erste Schritte mit Krita

Liebes Tagebuch,




heute habe ich ein großes Feufeu entdeckt. Auf meinem Weg zur digitalen Zeichen- und Malherrschaft habe ich einen für mich entscheidenden neuen Schritt gewagt. Ich bin mal ausnahmsweise von Bleistift, Radiergummi und Papier aus der analogen Welt hinüber in die digitale Welt gewechselt. Wer sich die Seite "Zeichnen & Fasan" meines Blogs bereits durchgelesen hat, der weiß, dass ich emsig zeichnen übe. Ob ich gut darin werde, wird ein lang angelegtes soziales Experiment. Testsubjekt Fasan 01 schiebt sich bereits ordentlich Schokolade in den Tank und wuselt sich begeistert durch neue kreative Lande, hehe. Wie es die böse Welt will, habe ich natürlich kein graphic tablet und selbst auf so einen Luxus wie eine funktionierende Maus muss ich verzichten. Selbst wenn ich meine wiederaufladbaren Batterien finden würde, so hätte ich doch nicht mehr genügend funktionierende USB-Anschlüsse an meinem zehn Jahre alten Laptop. Aber er läuft brav und anständig, also wollen wir ihn mal in Ruhe lassen, den alten Haudegen. Onehin erweist es sich endlich mal als nützlich, dass ich mit dem Touchpad vom Laptop umgehen kann. Ich muss allerdings auch sagen, dass Linien zeichnen mit den Fingern etwas anderes ist, als einen Stift zu halten. Jedoch halte ich das alles für eine reine Übungssache. Es fühlt sich für mich genauso natürlich an, eine Kurve mit dem Touchpad zu zeichnen, als würde ich locker einen Druckbleistift halten. Vielleicht lüge ich mir aber auch einfach nur den späten Abend schön. Das ist ja das Schöne an so einem Blog. Hier kann ich schreiben und machen, was ich will. Egal, was der Rest der Menschheit davon hält. Als Software verwende ich den open source raster graphics editor namens Krita. Der Grund isr recht einfach. Gerade als absoluter Grünschnabel gebe ich in den ersten 300h des Trainings gewiss kein teures Geld für noch bessere Software aus. Erstmal will ich Grundlagen verstehen. Wer weiß, wie weit ich mit Krita komme, bevor ich an künstlerisch unbefriedigende Grenzen stoße.

Viel länger möche ich diesen kleinen, heimlichen Eintrag auch gar nicht machen. Die Lesezeit meiner 0,000045% Leser ist mir wichtig. Zumindest möchte ich aus reiner Höflichkeit diese zuvorkommende Fassade aufrecht erhalten. Bevor ich das zweite drollige Linien malen-Testbild zeige (und hoffentlich ein paar Lacher ernte), gebe ich noch einen kurzen Ausblick, was ich demnächst so zeichnen und malen möchte. Auf jeden Fall stehen Mangafiguren aus "Dragonball" auf dem Programm. Dann ein wenig "Der kleine Maulwurf", verschiedene Tierstudien rund um Bären, Leoparden, Fasane, Pferde und so weiter und natürlich die ganzen anatomischen Sachen. Wobei ich noch nicht sagen kann, ob ich wirklich Anfänger-Studien von Händen und Füßen hier auf dem Blog hochladen möchte. Ich habe schon einen gewissen Ehgeiz, dass die Sachen halbwegs cool aussehen sollen. Eine Ausnahme davon sind freilich die humorvollen Übungen, die wenigstens etwas zur allgemeinen Erheiterung beitragen. Selbst wenn das bedeuten sollte, dass ich das nur zu meiner eigenen Belustigung uploade. Aber ich will ja in Monaten oder Jahren sehen, wie weit ich gekommen bin. Also, hier bitteschön, ein zweites Testbild, um herauszufinden, wie man in Krita Linien malt. Ein Angriff der Aliens!





Mittwoch, 22. Mai 2024

Der große Gatsby - F. Scott Fitzgerald

"Auf der dunklen Brücke sank ihr fahles Gesicht müde an meine Schulter, und der sagenhafte Schreck, der mich angesichts der Dreißig befallen hatte, erstarb unter dem tröstlichen Druck ihrer Hand. So fuhren wir durch das kühler werdende Zwielicht weiter auf den Tod zu." (Abschnitt 7, gegen Ende)

Wie so häufig bei Klassikern der Literatur ist auch "Der große Gatsby" ein Name, den man als Leser im Unterbewusstsein drin hat. Und das viele Jahre, bevor man es dann endlich liest. In diesem speziellen Fall weiß ich sogar, dass es zwei Romanverfilmungen gibt. Eine mit Robert Redford, die ich nie gesehen habe und die schick aussieht. Und eine weitere mit Leonardo DiCaprio und dem wunderbaren Song von Lana Del Rey "Young and Beautiful". Ebenfalls sehr schick und ebenfalls nie gesehen. Ich kann dafür nicht einmal einen gehaltvollen Grund angeben, da es schon vorgekommen ist, dass ich erst eine Buchverfilmung gesehen und erst hinterher das entsprechende Buch gelesen habe. Im Fall von "Der Herr der Ringe" war das sogar doppelt belohnend, weil Film und Buch beide von sehr hoher Qualität sind. Aber zurück zu Fitzgerald. Mein erster Berührungspunkt ist eine Anekdote aus Ernest Hemingway's posthum erschienenen Romanfragment "Paris, Ein Fest fürs Leben". Da kommen auch das Ehepaar Francis und Zelda drin vor, allerdings werden sie in keinem guten Licht porträtiert. Aber das war bislang nicht der Grund, der mich vom Lesen abgehalten hat. Ich habe sogar schon seit ein paar Jahren "Zärtlich ist die Nacht" hier in meinem Regal herumliegen und bereits das Nachwort mehrfach gelesen und mich ein wenig mit der Biographie von F. Scott Fitzgerald beschäftigt.

Meine Motivation, "Der große Gatsby" gerade jetzt zu lesen, liegt an zwei Gründen. Erstens: "Moby Dick" und "Der Distelfink" sind solche gigantischen Romane, dass ich die über Monate hinweg immer wieder in Stückchen lese, um sie auch mental verdauen zu können. Da kommt mir ein feiner Kurzroman gerade recht. Zweitens: Meine Ernüchterung beim Lesen von "Dracula" hat mir gezeigt, dass man keine allzu große Hochachtung und Anspannung vor bekannten Namen haben muss. Einfach mit der Brechstange drauf los und reinlesen und am Ende ist es vielleicht sowieso nur mittelmäßig. Das Leben ist kurz, wenn ein Roman nicht zündet, liest man eben was anderes. Und wie fantastisch ist es da bitte, dass "Der große Gatsby" einer von den Ausnahmefällen ist, in denen ein berühmter Titel  sehr gut, wenn nicht sogar überragend gut geschrieben ist?

Der Kurzroman beginnt mit: "Als ich noch jünger und verwundbarer war". Da war mir schon klar, dass das hier entweder ein hochtrabender, prätentiöser Reinfall wird oder eben ein seltener Geniestreich. Zum Glück hat es sich ausnahmsweise mal in den Bereich genialer Text entwickelt. Das wiederum kam für mich aber nicht überraschend, weil in dem fantastischen "Gotham Writer's Workshop" Gatsby aus allen Winkeln analysiert wird. Charaktere, Szenen, Dialoge, Perspektive, selbst die Auswahl des Vokabulars, um diesen malerischen, poetischen, flirrenden 'jazz age' Effekt hinzubekommen, wurde dort Detail für Detail erklärt und veranschaulicht. Gerade, weil es sich um einen Kurzroman handelt, möchte ich niemanden mit zuviel Inhalts-Paraphrasierung langweilen. Nur so viel: Auf 100 Seiten passiert gefühlt mehr, als in zehn anderen Romanen. Damit meine ich nicht nur den Plot an sich oder wie die Charaktere in den dynamischen Szenen agieren. Es geht vor allem um die Atmosphäre, die von spritziger Vitalität mit viel Gold, Silber, Cocktails und Mondschein gegen Ende hin in eine bittere Nostalgie übergeht, dass das alles nur eine Momentaufnahme ist, die bereits in der Vergangenheit liegt. Die Charaktere sind alle um die 30 Jahre alt und doch hat man oft das Gefühl, das Leben sei schon passiert und nur noch eine Erinnerung. Dazu gehört dann folgerichtig dieses bittersweet end. Wenn der Protagonist Nick sich daran macht, von New York abzureisen, wirkt es ein ganz klein bisschen so, als würde er ein goldenes Jahrhundert hinter sich lassen, das außer ihm kaum jemand jemals gesehen und erlebt hat.

Im Übrigen finde ich es erstaunlich, wie hier quasi die Themen aus Groschenromanen und Fernsehschnulzen aufgegriffen werden: Großer Reichtum und Luxus-Immobilien, samt Party und modischer Kleidung. Charaktere, die gekünstelt gelangweilt oder affektiert wirken. Die ganz große unsterbliche Liebe, die größer als das Leben selbst scheint, und ohne die das Leben sinnlos ist. Natürlich auch das Scheitern einer solchen alles überschattenden Liebe. Ein bisschen was Verruchtes mit Fremdgehen und Gewalt, bis hin zu ein paar Todesopfern. Das alles wirkt rein rational betrachtet recht billig, aber wird durch diese geniale Prosa von Fitzgerald auf ein Level der Extraklasse gehoben. Geld, Schönheit, Party, Liebe, Materialismus. Und das alles hübsch aufpoliert. Viel länger hätte die Geschichte gar nicht sein dürfen, dann hätte sie oberflächlich gewirkt. Aber so ist es ein perfekt geschliffener Diamant. Und damit habe ich nach den Sherlock Holmes Kurzgeschichten endlich mal was Leichtes für zwischendurch, was ich Leuten empfehlen kann, die nach Monaten oder Jahren des Nichtlesens wieder ins Lesen reinkommen wollen. Der Clou an der Sache ist dann noch, dass hier auf 100 Seiten gefühlt mehr passiert als anderswo in zehn Romanen. Der große Gatsby bietet sich also geradezu an, dass man ihn alle paar Jahre erneut liest und weitere Details in den kunstvoll gebauten Szenen entdeckt. Vieles, was hier so locker, leicht und lässig erscheint, hat ganz oft einen schmerzvollen Unterton, der etwas nostalgisch und zynisch wirkt und die Lebensfreude und Dekadenz konterkariert. Zurecht einer der ganz großen Klassiker.


Die Legende vom Tränenvogel - Band 1 - Lee Young-Do

Das ist der erste südkoreanische Fantasy-Roman, den ich lese, aber er erinnert mich an einen 1980er Jahre Actionfilm mit Charles Bronson in ...